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Energieausweise werden Pflicht "Liste der Energieberater"


Die EU-Richtlinie zur "Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" von 2002 (kurz: EU-Gebäuderichtlinie) verpflichtet die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Umsetzung verschiedener Maßnahmen zur Energie- und CO2-Einsparung im Gebäudebereich. Dazu gehört die Einführung von Energieausweisen, die bei Bau, Sanierung, Verkauf oder Vermietung von Wohn- und Nicht-Wohngebäuden vom Eigentümer vorgelegt werden müssen. 

In Deutschland wurden mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002 bereits wichtige Teile der EU-Richtlinie umgesetzt. Dazu gehört die Einführung von Energieausweisen für Neubauten. Sie müssen vom Architekten oder Planer zusammen mit dem Bauantrag eingereicht werden. Dies gilt auch für umfassende Sanierungsmaßnahmen. Durch die aktuelle Novellierung der EnEV 2007, die am 1. Oktober in Kraft trat, werden nun weitere Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie in deutsches Recht übertragen. Wichtigste Änderung ist die Energieausweispflicht für bestehende Gebäude. Gleichzeitig werden neue, einheitliche Formulare für Energieausweise in Neubauten und im Gebäudebestand eingeführt.

Bedeutung der Energieeinsparung im Gebäudebestand

Mit rund 35 Prozent wird mehr als ein Drittel der in Deutschland eingesetzten Primärenergie für Heizung und Warmwasser eingesetzt. Hier liegt daher ein entscheidender Ansatzpunkt, um durch Energieeinsparung und verbesserte Energieeffizienz die klimapolitischen Ziele zu erreichen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass dieses Thema aufgrund der steigenden Nebenkosten auf dem Immobilienmarkt weiter an Bedeutung gewinnt. 

Ziel des Energieausweises ist es, Mängel in der Energiebilanz zu erkennen, die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zu optimieren, die Umwelt von CO2-Emissionen zu entlasten und die Energiekosten durch geeignete Modernisierungsmaßnahmen zu senken.

Modernisierungsbedarf veralteter Heizkessel

Allein durch den Austausch veralteter Heizkessel kann bis zu 40 Prozent Energie für Wärme im Haus eingespart werden. Besonders effizient sind Brennwertgeräte oder Komplettsysteme unter Einbeziehung von Solaranlagen, die sich durch eine kompakte Bauweise auszeichnen.

Für welche Gebäude gilt die EnEV? 

Für alle beheizten und gekühlten Gebäude bzw. Gebäudeteile. Sonderregelungen gelten für Gebäude, die nicht regelmäßig geheizt, gekühlt oder genutzt werden (z. B. Zelte, Traglufthallen) oder für ganz spezielle Nutzungen, wie z. B. Ställe und Gewächshäuser. Kleine Gebäude unter 50 Quadratmeter Nutzfläche und nach Landesrecht geschützte Baudenkmäler sind von der Verpflichtung zur Erstellung von Energieausweisen nicht betroffen.

Fristen

Für Neubauten und wesentliche Umbauten ist ein Energiebedarfsausweis heute schon Pflicht. Bei Verkauf oder Vermietung von Wohngebäuden, die bis Ende 1965 fertig gestellt worden sind, ist Interessenten ab dem 1. Juli 2008 ein Energieausweis vorzulegen. Ein halbes Jahr später - ab dem 1. Januar 2009 - gilt dies auch für alle übrigen Wohngebäude. 

Ab dem 1. Juli 2009 müssen auch für Nicht-Wohngebäude im Verkaufs- oder Vermietungsfall Energieausweise ausgestellt werden. 

Bereits ausgestellte Energieausweise bleiben zehn Jahre ab Ausstellungsdatum gültig. 

In öffentlichen Gebäuden mit mehr als 1.000 Quadratmeter Nutzfläche und regelmäßigem Publikumsverkehr muss ein Energieausweis ausgehängt werden. 

Verbrauchs- und Bedarfsausweis

Der Energieausweis für Bestandsgebäude muss drei wesentliche Aussagen beinhalten:

  • Energiekennwerte über die Gesamtenergieeffizienz des Objekts
  • Vergleichswerte zu anderen Gebäuden
  • Modernisierungsempfehlungen zur Steigerung der Energieeffizienz

Grundsätzlich haben Eigentümer die Möglichkeit, zwischen zwei Varianten zu wählen: 

Beim Bedarfsausweis ermittelt ein Fachmann den rechnerischen Energiebedarf und dokumentiert den energetischen Zustand des Gebäudes. Dabei werden die Qualität der Gebäudehülle - wie Fenster, Decken und Außenwände - sowie der Heizungsanlage und des Energieträgers berücksichtigt. 

Der Verbrauchsausweis beruht dagegen auf dem Energieverbrauch der zurückliegenden drei Jahre. Damit ist das Ergebnis dieses Ausweistyps stark vom individuellen Nutzerverhalten abhängig.

Kleinere Häuser mit bis zu vier Wohnungen, die vor 1978 gebaut und nicht modernisiert wurden, müssen ab Oktober 2008 einen Bedarfsausweis haben. 

Bis zum 1. Oktober 2008 gilt für alle Gebäude eine Wahlfreiheit zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis. 

Wer darf Energieausweise ausstellen?

Zur Ausstellung von Energieausweisen für Wohn- und Nicht-Wohngebäude sind berechtigt:

a) Absolventen von Hoch- und Fachhochschulen der Fachrichtung Architektur,
    Hochbau, Bauingenieurwesen, Technische Gebäudeausrüstung, Bauphysik,
    Maschinenbau oder Elektronik oder 

b) einer anderen technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung mit einem
    Ausbildungsschwerpunkt auf einem unter Buchstabe a) genanntem Gebiet. 

Zur Ausstellung von Energieausweisen ausschließlich für Wohngebäude sind berechtigt:

  • Absolventen von Hoch- und Fachschulen der Fachrichtung Innenarchitektur,
  • Personen, die für ein zulassungspflichtiges bau-, ausbau- oder anlagentechnisches Gewerbe oder für das Schornsteinfegerwesen die Voraussetzung zur Eintragung in die Handwerksrolle erfüllen,
  • Handwerksmeister der zulassungsfreien Handwerke dieser Bereiche
  • Personen, die aufgrund ihrer Ausbildung berechtigt sind, ein solches Handwerk ohne Meistertitel selbständig auszuüben und eine anerkannte Qualifikation bzw. Weiterbildung zum Energieberater abgeschlossen haben,
  • staatlich anerkannte oder geprüfte Techniker, deren Ausbildungsschwerpunkt auch die Beurteilung der Gebäudehülle, die Beurteilung von Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen oder die Beurteilung von Lüftungs- und Klimaanlagen erfasst. 

Zusätzlich zu dieser Eingangsqualifikation müssen diese Aussteller eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Studienschwerpunkt im energiesparenden Bauen oder einschlägige zweijährige Berufserfahrung,
  • eine absolvierte Fortbildung nach den Vorgaben der EnEV (geregelt in Anlage 11),
  • öffentliche Bestellung als vereidigter Sachverständiger im Bereich energiesparendes Bauen oder den einschlägigen Bereichen,
  • eine nicht auf bestimmte Gewerbe beschränkte Bauvorlageberechtigung nach Landesrecht. Liegen Einschränkungen der Bauvorlageberechtigung vor, gelten diese auch bei der Ausstellung von Energieausweisen.

Die Landesinnung führt bereits seit Mitte d. J. Lehrgänge, die den Vorgaben der Energieeinsparverordnung gemäß der in Anlage 11 genannten Bedingungen entsprechen, durch. Bis dato sind rund 40 Handwerksmeister geschult und ausweislich eines bundeseinheitlich verliehenen Zertifikates zur Ausstellung von Energieausweisen in Wohngebäuden berechtigt. Eine Liste der Berechtigten kann als pdf-Datei runtergeladen werden.