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Vorkommen von Legionellen in Trinkwasser-Installationen: Studie wertet über eine Mio. Probennahmen-Ergebnisse aus


Eine systematische und bundesweite Bestandsaufnahme vorliegender Daten zur Trinkwasserqualität in Gebäuden (Wohn- und Nichtwohngebäude) soll das Ausmaß der Verkeimung von Trinkwasser in Trinkwasserinstallationen mit Legionellen aufzeigen. Im Zuge dieser Studie wurden mit Daten zur Probennahme an Zapfstellen von Trinkwasserinstallationen und zum Vorkommen von Legionellen aus den Jahren 2012 bis 2015 von fünf Trinkwasserkontrolldienstleistern in Deutschland ausgewertet.

Insgesamt konnten über 1 Mio. Datensätze zur Bewertung von Legionellen nach DVGW-Arbeitsblatt W 551 gesammelt werden. Rund die Hälfte der Datensätze enthielt Angaben zur Wassertemperatur bei Temperaturkonstanz (Mittelwert 56,1 °C ± 7,1 °C) und zur Wassertemperatur bei Entnahme (Mittelwert 49,5 °C ± 10,4 °C).

Es konnte zudem auf rund 100.00£X3ebäudeangaben zurückgegriffen werden. Der mittlere Wert für Legionellen betrug 122 KBE/100 ml. Den technischen Maßnahmenwert (100KBE/100ml) überschritten insgesamt 5,6 Prozent aller Proben.

Nach Beurteilung des DVGW Arbeitsblattes W 551 waren 0,3 Prozent aller Proben sehr hoch mit Legionellen kontaminiert, 1,5 Prozent hoch kontaminiert, 6,1 Prozent wiesen eine mittlere Kontamination auf, 7,5 Prozent eine geringe und in 84,5 Prozent der Proben konnten keine Legionellen nachgewiesen werden.

Das generelle Vorkommen von Legionellen in Trinkwasserproben wurde in größeren Studien aus den USA (30 Prozent), Finnland (30 Prozent), Deutschland (26 Prozent, 25,2 Prozent und 12 Prozent in 3 unterschiedlichen Studien) und in Italien (23 Prozent) betrachtet. Diese Werte entsprechen den vorliegenden Ergebnissen (16 Prozent für alle Proben bzw. 20 Prozent für Proben > 25 °C).

Die DIN EN 806 benennt einen Grenzwert für Temperaturen im Kaltwasserbereich. Demnach dürfen 25 °C nicht überschritten werden. 16,5 Prozent aller Gebäude wie­sen an mindestens einer Entnahmestelle eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes auf.

Gestaffelt nach der Bewertung des DVGW W 551 waren in einem Drittel der Gebäude mindestens einmal eine geringe Kontamination, in einem Viertel der Gebäude mindestens einmal eine mittlere Kontamination detektiert worden.

Die Konzentration von Legionellen (KBE/100ml) korreliert hoch signifikant mit den Parametern Wassertemperatur bei Entnahme, Wassertemperatur bei Temperaturkonstanz und Differenz der Wassertemperatur bei Entnahme und der Wassertemperatur bei Temperaturkonstanz. Der Anteil der Proben über dem technischen Maßnahmenwert reduziert sich bei einer Temperatur von über:

  • 55 °C auf 3,7 Prozent
  • 60 °C auf 2,0 Prozent
  • 65 °C auf 1,1 Prozent

Ein deutlich größerer Anteil von Krankenhäusern, Altenpflegeheimen, Kindergärten und Schulen sind von einer Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes betroffen als beispielweise Restaurants oder Hotels. Dies kann jedoch zu Einem auch an der deutlich unterschiedlichen Beprobungshäufigkeit je nach Gebäudenutzung liegen, zum anderen an der Gebäudegröße und/ oder dem Nutzverhalten.

Eine Unterscheidung nach Wasserart (Warm-, Kalt-, Misch-, Zirkulationswasser), Gebäudecharakteristika (Art, Nutzung, Baujahr, Größe) und Charakteristika der Trinkwasser-Installationen (Rohrmaterial, Nennweiten, Temperatur, hygienisch relevante Bauteile, Stagnationsbereiche) wurde in dieser Studie nicht vorgenommen.

Quelle: IKZ-Fachplaner 10/15 / FV Schleswig Holstein