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Die neue AVO Anlagenmechaniker ist im Bundesgesetzblatt erschienen


Wir möchten Sie über den Sachstand zum Neuordnungsverfahren der Ausbildungsverordnung Anlagenmechaniker SHK informieren: die Ausbildungsverordnung ist am 2. Mai 2016 im Bundesgesetzblatt erschienen und tritt zum 1. August 2016 in Kraft. Des Weiteren möchten wir Ihnen einige der, aus unserer Sicht prägnantesten Neuerungen vorstellen. Anlage 1 beinhaltet die Eckpunkte der neugeordneten Ausbildung. Anlage 2 enthält den Verordnungstext, Anlage 3 das ZDH-Merkblatt zur gestreckten Gesellenprüfung und Anlage 4 eine Powerpoint­Präsentation, die Ihnen das Implementieren der neuen Ausbildungsverordnung erleichtern soll. Die Präsentation greift in aller Kürze die Neuerungen und die strukturellen Rahmenbedingungen der Ausbildung auf. Auf der Internetseite des ZVSHK finden Sie ein kurzes Video zu diesem Thema.

1. Gestreckte Gesellenprüfung:
Die gestreckte Gesellenprüfung soll die Motivation der Auszubildenden von Beginn an aufrechterhalten. Durch die gestreckte Gesellenprüfung müssen die Auszubildenden von Anfang an einen hohen Grad ihrer Leistungsbereitschaft abrufen. Bereits im Jahr 2002 wurden Verordnun­gen versuchshalber auf Basis gestreckter Gesellenprüfungen neugeordnet. Seit 2007 ist die gestreckte Prüfung der Standardfall in Neuordnungsverfahren. Die Ausbildungsordnung für den Anlagenmechaniker SHK wird damit modernisiert, die Prüfung inhaltlich und methodisch aufgewertet.

Die Gesellenprüfung wird künftig aus zwei Prüfungsteilen bestehen: Gesellenprüfung Teil 1 und Gesellenprüfung Teil 2. Die Gesellenprüfung Teil 1 besteht aus dem Prüfungsbereich Versorgungstechnik und tritt an die Stelle der bisherigen Zwischenprüfung. Der zeitliche Rahmen von Teil 1 beträgt insgesamt 7 Stunden; die Prüfungsinstrumente sind Arbeitsaufgabe und situatives Fachgespräch. Die Gewichtung der einzelnen Prüfungsinstrumente ist nicht mehr vorgegeben. Die Gesellenprüfung Teil 1 fließt zu 30 Prozent in die Gesamtnote der Gesellenprüfung ein. Es ist also wichtig, den ausbildenden Betrieben den hohen Einfluss des ersten Teils der Prüfung zu verdeutlichen. Insbesondere deshalb, weil er an die Stelle der „bewertungsneutralen“ Zwischenprüfung tritt.

Die Gesellenprüfung Teil 2 ersetzt die bisherige Gesellenprüfung und besteht aus vier Prüfungsbereichen. Ein Prüfungsbereich ist der Kundenauftrag. Der Kundenauftrag ist die praktische Prüfung. Diese fließt zu 35 Prozent in die Gesamtnote der Gesellenprüfung ein. Die praktische Prüfung (der Kundenauftrag) dauert 15 Stunden; die Prüfungsinstrumente sind Arbeitsaufgabe und situatives Fachgespräch. Die Gewichtung der einzelnen Prüfungsinstrumente ist nicht mehr vorgegeben. Die drei weiteren Prüfungsbereiche von Teil 2 heißen Arbeitsplanung. Systemanalyse und Instandhaltung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Das sind die theoretischen Prüfungsbereiche („Klausuren“ der Berufsschule), sie fließen mit 35 Prozent in das Gesamtergebnis der Gesellenprüfung ein.

KOMMENTAR (in Anlehnung an das Merkblatt vom ZDH):
- Die beiden Teile, können nicht selbständig angefochten werden. Es besteht folglich im Falle mangelhafter oder ungenügender Leistungen im ersten Teil auch keine Möglichkeit für eine eigenständige Wiederholung desselben vor Ablegen des zweiten Teils. Die unentschuldigte Nichtteilnahme am ersten Teil der Prüfung wird durch die Bewertung derselben mit null Punkten sanktioniert. Die Prüfungsteilnahme wird damit fingiert. Der Prüfling hat dann - beim Vorliegen der übrigen Voraussetzungen - einen Zulassungsanspruch zum zweiten Teil der Prüfung, da die Teilnahme am ersten Teil rechtswirksam fingiert wurde. Wegen der null Punkte im ersten Teil wird der Prüfling die Gesamtprüfung allenfalls bei einer hervorragenden Prüfung im zweiten Teil bestehen können.

- Welche Prüfungsbereiche (Versorgungstechnik, Kundenauftrag, Arbeitsplanung, Systemanalyse und Instandhaltung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde) zu wiederholen sind, richtet sich nach der Bestehensregelung der Ausbildungsordnung. Es gilt der Grundsatz, dass Prüfungsleistungen, die mit mindestens "ausreichend" bewertet wurden, nicht zu wiederholen sind. Eine Prüfungsleistung kann durchaus auch ein Teil eines Prüfungsbereiches sein. Eine Ausnahme gilt jedoch, wenn eine „nicht ausreichende" Prüfungsleistung keine Auswirkung auf das Bestehen der Prüfung haben kann. In diesem Fall, ist die Wiederholung dieser Prüfungsleistung zumindest keine Pflicht. Stellt der Prüfungsteilnehmer den Antrag, auch ausreichende Prüfungsleistungen zu wiederholen, muss dem stattgegeben werden.

2. Sperrfachregelungen:
Sehr innovativ sind die Sperrfachregelungen in den praktischen und in den theoretischen Prüfungsbereichen. Zum Bestehen der Gesellenprüfung muss der Prüfungsbereich Kundenauftrag mit mindestens „ausreichend“ bewertet worden sein. Ebenso muss mindestens eine der drei „Klausuren“ mit mindestens ausreichend bewertet worden sein. Andernfalls ist die Gesellenprüfung nicht bestanden. Die Gesellenprüfung bekommt durch die Notwendigkeit des Bestehens einer Berufsschulklausur einen neuen Aussagegehalt.

KOMMENTAR:
Teil 1 der Gesellenprüfung hat keine von Teil 2 unabhängige Regelung für das Bestehen! Dies ist schlüssig mit der Möglichkeit die Prüfung in Teil 1 zu fingieren und mit null Punkten zu sanktionieren.

3. Inhaltliches:
Redaktionell überarbeitet wurden zentrale Begriffe wie die sogenannten Handlungsfelder. Die Handlungsfelder selbst werden jetzt als Einsatzgebiete bezeichnet. Damit wird die Praxisorientierung der Ausbildung stärker betont. Weitere Änderungen: aus Wassertechnik wird Sanitärtechnik, aus Wärmetechnik wird Heizungstechnik, aus Lufttechnik wird Lüftungs- und Klimatechnik. Das Einsatzgebiet Erneuerbare Energien/Umwelttechnik bleibt unverändert. Die neuen Termino­logien sorgen für einen stärkeren Branchenbezug. Die Einsatzgebiete weisen durch ihre neue Begrifflichkeit ihren Gegenstand mit hoher Transparenz aus. 

Die Berufsbildpositionen wurden modernisiert und an die Herausforderungen der Praxis angepasst. Es wurden viele Details im Ausbildungsrahmenplan verändert auf die wir hier nicht näher eingehen. Marktverändernde Phänomene wie Digitalisierung werden durch modifizierte Berufsbildpositionen bzw. Prüfungsinhalte jetzt stärker aufgegriffen. So gehören die Gebäudemanagementsysteme bei denen gewerkeübergreifende Schnittstellen zu erkennen sind, ab sofort mit zum Berufsbild. Die Auszubildenden sollen Kompetenzen hinsichtlich Regelungs- und Gebäudeleitsystemen sowie zu Systemen zum Datenaustausch und zur Fernüberwachung erlangen. Das Anwenden geräte- bzw. branchenspezifischer Software ist ein inhaltliches Kriterium des Prüfungsbereiches Kundenauftrag. Das Durchführen von Hygienemaßnahmen ist jetzt eine separat aufgeführte Berufsbildposition.

4. ULUs:
Das bestehende ÜLU-Konzept ist laut ZVSHK-Ausschuss Berufsbildung für die neue Ausbildungsverordnung anwendbar und muss nicht zwangsweise verändert werden. Die inhaltliche Struktur passt zur gestreckten Gesellenprüfung. Trotzdem sollte mindestens eine redaktionelle Überarbeitung des ÜLU-Konzeptes vorgenommen werden. Die Arbeiten dazu werden zeitnah aufgenommen, wir werden dazu in Kürze berichten. Ferner soll ein neuer fakultativer ÜLU-Kurs entwickelt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie im Mitgliederbereich unter Informationen / Wichtige Mitteilungen -> Aus- und Weiterbildung.